01:23 02-12-2025
Älteste erzählerische Höhlenmalerei: Fund in Leang Karampuang auf Sulawesi
Auf Sulawesi fanden Forschende eine über 51.000 Jahre alte Szene: Menschen und Tier in erzählender Höhlenkunst. Warum der Fund weltweit einzigartig ist.
Auf der indonesischen Insel Sulawesi haben Forschende ein Bild freigelegt, das mehr als 51.000 Jahre alt ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Zeichnung, sondern um eine vollständige Szene mit mehreren Figuren – genau deshalb sorgt der Fund für so viel Aufsehen. Etwas derart Altes mit einer erzählerischen Darstellung, also nicht nur ein Tier oder ein Zeichen, sondern eine ganze Geschichte, war weltweit bislang nicht dokumentiert.
Was wurde genau gefunden?
In einer Höhle namens Leang Karampuang, eingebettet in steile Kalksteinfelsen, entdeckten Archäologinnen und Archäologen ein ungewöhnliches Tableau an der Wand. Zu sehen ist ein wildes Tier, das einem Schwein ähnelt, sowie drei Gestalten, die menschlich wirken. Sie scheinen miteinander in Beziehung zu treten – vielleicht bei der Jagd, vielleicht in einem rituellen Zusammenhang. Der Eindruck ist: Hier wird nicht nur abgebildet, sondern agiert.
Die Malereien lagen unter einem dünnen Kalküberzug eingeschlossen, und genau diese Schicht wurde untersucht. Sie begann spätestens vor 51.200 Jahren zu entstehen, was bedeutet, dass das Kunstwerk selbst älter sein muss. Die Datierungsmethode gilt als zuverlässig und ist in der Archäologie weit verbreitet.
Warum ist das wichtig?
Bislang galten die ältesten Kunstwerke eher als einfache Darstellungen von Tieren oder Handabdrücken. Eine komponierte Szene – eine visuelle Erzählung – war in so hohem Alter noch nicht aufgetaucht.
Damit rückt Indonesien als Ort in den Fokus, an dem sich möglicherweise die früheste bekannte narrative Darstellung der Menschheitsgeschichte erhalten hat. Das deutet darauf hin, dass Menschen damals bereits in Bildern dachten: Sie zeichneten nicht nur Formen, sondern wollten Sinn vermitteln.
Indonesien, eine Wiege prähistorischer Kunst
Schon früher wurden auf Sulawesi sehr alte Zeichnungen entdeckt – etwa eine Jagdszene in einer anderen Höhle. Der neue Fund ist noch älter. Das fügt dem wachsenden Bild der Region als frühem Hotspot bildlicher Kommunikation eine weitere Facette hinzu.
Indonesien ist ein riesiger Archipel mit mehr als 17.000 Inseln. Offenbar lebten hier schon vor sehr langer Zeit Menschen, die begannen, Kunst, Symbole und möglicherweise erste Formen von Kultur zu entwickeln. Es ist schwer, sich der Vorstellung zu entziehen, dass diese Inselwelt kreative Impulse begünstigte.
Wer hat es geschaffen?
Noch ist unklar, wer die Bilder anfertigte. Es könnten moderne Menschen gewesen sein oder andere frühe Menschenarten. Klar wird jedoch: Wer auch immer diese Szene schuf, konnte nicht nur zeichnen, sondern über Bilder eine Geschichte erzählen.
Die Deutung bleibt offen. Denkbar sind eine Jagd, eine Sage, ein Ritual oder die genaue Beobachtung von Tieren. Forschende halten sich mit eindeutigen Schlüssen zurück und betonen, dass es sich um den frühesten bislang bekannten Beleg dafür handelt, dass Menschen Bedeutung mit Bildern kommunizieren konnten.
Bewahren, solange es geht
Leider sind die Malereien bedroht. Höhlen leiden unter Feuchtigkeit, Salz und bröckelndem Gestein. Um diese seltenen Werke zu schützen, arbeiten Forschende mit Projekten zusammen, die die Bilder digitalisieren und virtuell bewahren. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – mit der Technik als Verbündeter.
Was sagt uns das?
Die Entdeckung legt nahe: Vor Zehntausenden von Jahren ging es Menschen nicht nur ums nackte Überleben – sie dachten, fühlten und gaben Geschichten weiter. Die Szene an der Höhlenwand ist mehr als ein uraltes Bild; sie wirkt wie der Versuch, über Leben und Gefühle zu sprechen, über etwas, das Bedeutung hatte.
Die indonesische Höhle wirkt wie ein stiller Zeuge des Aufstiegs der Kunst – nicht im Museum oder auf Leinwand, sondern im Fels, unter der Erde, wo jemand festhielt, was er sah und empfand. Und rund 50.000 Jahre später dürfen wir diese Geschichte endlich sehen.